Donnerstag, 28 Juni 2012 12:20

Neue und alte Heimat im direkten Duell

Eis (fast) in den Landesfarben der EM-Kontrahenten: Gianluca Scarin (links) glaubt an einen deutschen Sieg. Sein Landsmann Franco Ditel geht von einem Finaleinzug der Italiener aus. Fotos: Dirk Hellmers Eis (fast) in den Landesfarben der EM-Kontrahenten: Gianluca Scarin (links) glaubt an einen deutschen Sieg. Sein Landsmann Franco Ditel geht von einem Finaleinzug der Italiener aus. Fotos: Dirk Hellmers
Zwei Herzen in einer Brust: Beim EM-Halbfinale drücken Italiener im Emsland beiden Teams die Daumen Rhede/Papenburg . Gemütlich sitzt Antonino Bellini vor seinem Restaurant am Papenburger Hauptkanal.
Er ist sich sicher, dass „sein  Team“ in das Finale der Fußball-EM einziehen wird. In der Brust des Italieners schlagen zwei Herzen – je eines für seine alte und für seine neue Heimat in Deutschland. Vor drei Wochen hat Bellini, der vor 31 Jahren von Palermo nach Papenburg gezogen ist, noch an das Aus der Italiener in der Gruppenphase geglaubt. Nun spricht er von einem vorgezogenen Endspiel um den EM-Titel. „Deutschland und Italien sind die beiden besten Mannschaften. Wer das Halbfinale gewinnt, holt auch den Titel“, ist sich Bellini sicher. Dass die Squadra Azzurra am Sonntag 120 Minuten im Viertelfinale gegen England spielen musste, sieht der Papenburger nicht als Nachteil: „Das ist eine halbe Stunde Extra-Training.“ Bellini wird die Partie auf einem kleinen Fernseher in der Küche seines Restaurants verfolgen. Für seine Gäste hat er keine Leinwand oder Ähnliches aufgestellt – damit hat er schlechte Erfahrungen gesammelt. „Bei einem Freund wurde bei der Weltmeisterschaft 2006 die Scheibe eingeschlagen“, sagt er verständnislos. „Fußball soll Spaß und Freude machen. Streit will ich nicht.“ Daher hat er sich gegen ein Public Viewing entschieden. Er selbst will aber nach dem Abpfiff mit seinem Personal auf den Sieger anstoßen. Sein Tipp lautet: 2:0 für Italien, wie beim WM-Halbfinale 2006. An einen Sieg Italiens glaubt auch Franco Ditel vom Eiscafé Cristallo in Rhede. „Es wird aber sehr, sehr schwer, die Tradition immer gegen Deutschland zu gewinnen, aufrechtzuerhalten“, sagt Ditel, der in Udine aufgewachsen ist und seit 26 Jahren in Deutschland lebt. Gespannt ist er auf das Duell der beiden Torhüter. „Gianluigi Buffon hat in den letzten Wochen immer wieder bewiesen, dass er immer noch der beste Torhüter ist, und Manuel Neuer ist auch gut.“ Am meisten fürchtet er sich vor Miroslav Klose. „Der spielt in Italien und kennt unsere Abwehr. Mir wäre lieber, Mario Gomez würde spielen.“ Schlechte Erfahrungen mit wütenden deutschen Fans nach der WM 2006 hat er nicht. „Da ist sogar der Umsatz gestiegen“, sagt der Wahl-Emsländer, der seinerzeit auf Usedom gearbeitet hat. Viele Kunden seien extra in das Eiscafé gekommen, um Sprüche zu klopfen. Außerdem habe eine gute Pizza oder ein Eisbecher nichts mit Fußball zu tun. Voller Vorfreude auf das Duell zwischen alter und neuer Heimat ist auch sein Chef Gianluca Scarin. „Viele Leute kommen, um mit mir über Fußball zu reden“, sagt er, als gerade ein Holländer in das Eiscafé spaziert. Nach einem kurzen Plausch verabschiedet sich der Gast mit den Worten: „Wir haben schon Urlaub.“ Die Niederländer mussten bei der EM bereits nach der Vorrunde die Segel streichen. Ein paar freie Tage kann es nach Ansicht des 35-Jährigen, der in Venedig geboren wurde, auch für die Italiener geben: Scarins Tipp lautet 2:1 für Deutschland. „In den italienischen Zeitungen steht, dass im Halbfinale Endstation ist“, sagt er. Es sei nicht mehr die Weltmeistermannschaft von 2006. Falls Italien den Finaleinzug dennoch schaffen würde, würden sie auch Europameister werden, ist Scarin sich sicher. Egal mit wem er in den letzten Tagen gesprochen habe: „Die Italiener haben viel Respekt vor den Deutschen und umgekehrt.“ Und egal wie es heute Abend ausgeht: Am Ende gewinnt sein Heimatland. So kann er sich schon auf das Finale freuen, während seine deutschen Kunden noch zittern müssen.

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