Mittwoch, 28 März 2012 00:00

Gegner legen Gegengutachten vor

Wo ist Karl Carstens? Das Protestschild gegen den geplanten Legehennenstall in Neurhede versperrte während der Ratssitzung im Rheder Rathaus den freien Blick auf die Fotogalerie der früheren Bundespräsidenten (links Walter Scheel, rechts Richard von Weizsäcker und Roman Herzog. Wo ist Karl Carstens? Das Protestschild gegen den geplanten Legehennenstall in Neurhede versperrte während der Ratssitzung im Rheder Rathaus den freien Blick auf die Fotogalerie der früheren Bundespräsidenten (links Walter Scheel, rechts Richard von Weizsäcker und Roman Herzog. Foto: Gerd Schade
Rhede. Im Streit um den geplanten Bau eines Freilandlegehennenstalles für knapp 15000 Hühner in Neurhede bleiben die Fronten zwischen Landwirt und Anwohnern verhärtet. Das wurde am Donnerstagabend in der Bürgerfragestunde unmittelbar im Anschluss an die Sitzung des Rheder Gemeinderates deutlich. Die Stallgegner warteten nicht nur mit einem Protestschild, sondern auch
mit einem Gegengutachten auf. Vor exakt 31 Zuhörern, darunter mehrere Gegner des an der Eichenstraße geplanten Stalles mit zwei Futtermittelsilos und einem Kotlager, hatte Bürgermeister Gerd Conens (parteilos) zunächst erläutert, dass die Gemeinde den Bauantrag lediglich unter den Aspekten Planungsrecht und Erschließung zu prüfen habe. In beiden Fällen könnten aus Sicht der Gemeinde baurechtlich keine Vorbehalte gegen das Vorhaben geltend gemacht werden. Dieser Auffassung schloss sich der Rat einstimmig an und erteilte den Planungen das sogenannte "Einvernehmen". Genehmigungsbehörde ist der Landkreis Emsland. Wie Conens berichtete, hat die Kreisverwaltung in einem Schreiben mitgeteilt, "dass aus immissionsschutzrechtlicher Sicht keine Bedenken gegen das Bauvorhaben bestehen". Mehrere Ratsmitglieder machten deutlich, dass sie gar nicht anders könnten, als dem Bauvorhaben das Einvernehmen zu erteilen. "Wir müssen uns nach der Rechtslage richten und an Recht und Gesetz halten", sagte Bauausschussvorsitzender Theo Staars (CDU). Auch SPD-Ratsherr Hans-Jürgen Pohl sah die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde erschöpft. "Wir müssen das Einvernehmen erteilen." Ratsvorsitzender Josef Wittrock (CDU) warb um Verständnis: "Wir sind nicht immer glücklich mit dem, was wir hier beschließen müssen." Und nach Auffassung von Gerd Husmann (CDU) ist der Standort unter den beiden von der Gemeinde zu prüfenden Aspekten genehmigungsfähig. "Die Gemeinde hat keinen Spielraum", betonte Husmann. "Alles probiert" Conens und Pohl berichteten übereinstimmend, dass die Gemeinde mehrfach das Gespräch mit dem Landwirt gesucht habe, um Alternativstandorte auszuloten. "Wir haben alles probiert", sagte Pohl. Trotz einer geeigneten Fläche am Dänenfließ lehne der Landwirt die Alternative aus Kostengründen (Flächentausch, neue Gutachten) ab, berichtete Conens. Der Landwirt sehe keine finanzielle Möglichkeit für einen anderen Standort. In diesem Zusammenhang war von grob geschätzten Mehrkosten zwischen 30000 und 60000 Euro die Rede. Der Landwirt benötigt für den Stall eine zusammenhängende Fläche von sechs Hektar. Zwei weitere Alternativstandorte jeweils an der A31 seien geprüft worden, hätten sich aber als ungeeignet erwiesen, erklärte Conens. Die Gemeinde habe den Landwirt mehrfach auf das große Konfliktpotenzial hingewiesen, so der Bürgermeister weiter. Der Antragsteller bleibe jedoch bei seiner Haltung. Er sehe keine andere Möglichkeit, um seine Existenz als Landwirt zu sichern. Unterdessen brachten sich die Gegner des "Legehennen-Laufstalls" weiter in Stellung. Sie legten Rat und Landkreis ein Gegengutachten vor, in dem insbesondere die Wetterdaten sowie die Bewertung der Immissionen durch bereits bestehende Tierzahlen (Schweine, Rinder) in den von dem Landwirt in Auftrag gegebenen Expertisen angezweifelt werden. Bereit zum "Bürgerkrieg" Die Gegner befürchten Gestank, Feinstaub und Lärm durch den Stall. Nach ihrer Auffassung grenzt er zu dicht an Wohnbebauung, beeinträchtigt die touristische Entwicklung Neurhedes und sei überdies gar nicht wirtschaftlich zu betreiben. In einem rund 300 Meter von dem geplanten Stall entfernten Wohngebiet lebten 80 Prozent der Kinder des Ortes, kritisierte ein Gegner. Die medizinischen Kosten für die Behandlung beschädigter Atemwege dieser Kinder würden weitaus höher sein als die Kosten, die der Landwirt für den Alternativstandort aufbringen müsse. "Langsam muss mal Schluss sein mit dem Ding", wetterte er. Ein anderer empfahl dem Landwirt: "Geh mit dem Stall zum Dänenfließ! Du machst Dir das Leben damit leichter. Konfrontation kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld", sagte er und stellte weitere Gegengutachten in Aussicht. Drastische Worte in der überwiegend sachlich geführten Debatte wählte ein dritter Stallgegner: "Wenn ihr Bürgerkrieg wollt ?ich bin bereit."

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